Filmscreening »Die Angst vor Fledermäusen« Johanna Borelli
239»Die Angst vor Fledermäusen«
Experimenteller Dokumentarfilm / Autoethnografie. 28 Minuten. HD, 16:9
Künslterin Johanna Borelli
Ein Kind reflektiert über die Privatsphäre von Insekten und hält seine Beobachtung für legitim, weil Tiere keinen Anspruch darauf erhöben. Die Angst vor Fledermäusen verschränkt ein über zehn Jahre gewachsenes Familienarchiv mit Makro- und Mikroskopaufnahmen von Kleinstlebewesen. Im Zentrum steht das Aufwachsen des autistischen Sohnes der Filmemacherin, in einer Familie, die zwischen Erwerbsarbeit und Care funktioniert, während Erschöpfung und eine unsichtbare, im Film nie als Diagnose ausgestellte Behinderung zur Grundbedingung werden. Der Schnitt ist assoziativ, nicht chronologisch. Er reiht häusliche Situationen, Gespräche, Rückzugsmomente und Konflikte um Zeit und Aufmerksamkeit aneinander und macht Alltagsmotive unter dem Mikroskop in ihrer Eigengesetzlichkeit sichtbar. Filmen ist hier Teil der Sorge, eine Form, aufmerksam zu bleiben und es gleichzeitig nicht zu sein. In dieser fortlaufenden ethischen Aushandlung der Produktion zeichnet sich eine Praxis von response-ability im Sinne Donna Haraways ab: eine Antwortfähigkeit, die im Verhältnis entsteht und durch pure Einwilligung nicht abgedeckt wird. Autistisches Worlding, sowie Wiederholungen und Mikrogesten erscheinen als Sprache im Werden. Immer dabei die Doppelrolle als Mutter und Filmemacherin, welche dabei keine klare Trennung zwischen Leben und künstlerischer Praxis erzeugt. Der Film hält sich in dieser Spannung, ohne sie vorzeitig aufzulösen.