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Materialsache – What about painting?!

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25/11 14:00  —  14/01/23 22:00

ERÖFFNUNG:
Donnerstag, 24. November 2022, ab 18 Uhr

Eine Ausstellung in drei Akten mit:
Leonard Gneuß, Ana Kostova
Lisa Sophie Langhans, Janna Schnoor
Paola Donato Castillo, Zeyang Xu

Mit dem programmatischen Jahresthema Materialsache rückt spce den Fokus auf die Wahl des Mediums und den Prozess der Formfindung mit den gewählten künstlerischen Mitteln und Techniken.

In einer Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen wird forschend der Frage nach der Bedeutung und Wahl des Ausgangsmaterials auf künstlerisch-konzeptionelle Inhalte nachgegangen. Dabei wird hinterfragt, inwieweit Begrifflichkeiten und medientechnische Zuschreibungen auf die heutige Kunstproduktion anwendbar und nutzbar sind; welche Qualität birgt ein medienspezifischer Zugang? Wann ist dieser Halt, wann ist er Bürde? Wie spiegelt sich darin der viel zitierte aktuelle Fokus auf künstlerische Forschung und dem/der Künstler*in als Seismograph sozialer und politischer Schieflagen?

Mit Materialsache What about painting?! widmet sich spce in drei Akten, in denen jeweils zwei Künstlerinnen im Dialog ausstellen, der Malerei und der Frage: Was kann Malerei heutzutage sein?

Ein transparentes und begehbares Gemäldelager mit Arbeiten aller beteiligten Künstlerinnen wird über die gesamte Laufdauer der Ausstellung das Nebeneinander verschiedener Ansätze betonen, im Verständnis, dass Malerei vielfältig, vielschichtig, und nicht auf Gemälde reduzierbar ist.

Im ersten Akt von Materialsache – What about painting?! treten mit Ana Kostova und Leonard Gneuß zwei künstlerische Positionen in einen Dialog, die – unabhängig von der Tatsache, dass beide in der Klasse Malerei bei Professorin Antje Majewski studieren und sich ein Atelier an der Hochschule teilen – sehr unterschiedliche Wege in Bezug auf ihr Medium einnehmen.

In seinen oft großformatigen Malereien bestechen Leonard Gneuß‘ (*1998, D) Arbeiten durch ihre kräftigen Farben, die er ganz bewusst kontrastierend nebeneinanderlegt. Auffällig ist der radikal ursprüngliche Einsatz, die Betonung der Fläche und der Zweidimensionalität der Leinwand, im starken Kontrast zur Idee von Nachahmung der Realität durch das Zeichnen von Proportionen oder Raumtiefen. Darum geht es in seiner Malerei nicht. Sie dient ihm vielmehr dazu Bildwelten zu erschaffen, die sich visueller Logik und stringenter Narrative entziehen dürfen.

Mit figurativen Elementen und plastischen Titeln wie z.B. Giraffe und Giraffenliebhaber beim Tanzen auf einer Party, Das Kettensägen Massaker in den Wipfeln oder Franz und Filip auf dem Antifaschistischen Fahrrad, baut er spielerisch lose Assoziationsketten auf, die offene Lesarten ermöglichen.

Ana Kostova (*1995, BUL) definiert sich malerisch über geometrische Farbsetzungen und beschränkt sich nicht auf den ureigenen Malgrund, die Leinwand, sondern formuliert diese skulptural aus. Einst zeichnerische Elemente werden dreidimensional, Farben werden zu Charakteren, die sich durch einen Körper auszeichnen, wie man exemplarisch in den Arbeiten The Queen (2022) oder Mycloud (2022) erleben kann. Diese Körper bezeichnet sie als „Fortsetzung ihrer Malerei.

Bei Kostova verschwimmen die Grenzen von Malerei zu Skulptur; oder anders könnte man ihre Arbeiten als Skulpturen definieren, die aus einer malerischen Geste heraus den Raum in Besitz nehmen und als eigene Akteure Raum (er-)greifen.

Der zweite Akt widmet sich im weitesten Sinne der Gattung Portrait und zeichnet sich durch die Nähe beider Positionen in der Wahl ihres Themas – der Wiedergabe des menschlichen Körpers – aus, wobei sowohl der Malstil als auch der Prozess bis zur Bildfindung diametrale Auffassungen von Intimität offenbaren.

Lisa Sophie Langhans (*2000, D) studiert in der Klasse Interdisziplinäre Praxis von Professorin Almut Linde, was erstaunen mag, da sich ihre künstlerischen Arbeiten klar der Praxis Malerei zuordnen lassen. Interessant ist hier bei der Vertiefung mit ihrer Arbeit die Methodik der Bildfindung.

Ausgang der seriellen Arbeiten Skins (2021) und Skinny (2022) ist die Studie des eigenen Körpers, der mittels Videokamera in Nahaufnahme erforscht, abgescannt wird. Die daraus entstehenden Bilder, die sich oft durch eine gewisse Unschärfe auszeichnen, werden dann auf die Leinwand übertragen und nehmen dort wieder einen ganz eigenen Raum ein, werden zu Abstraktionen, die den Körper und dessen Identität auflösen und verschwinden lassen.

Die bewusste Entscheidung, auf den Keilrahmen zu verzichten und stattdessen die Malereien auf bloßem Nesselstoff zu belassen, stellt die Materialität der Leinwand in einer haptischen Komponente aus. Sie ermöglicht Assoziationen zu Hautfetzen und betont das Spannungsverhältnis von absoluter Nähe und klinischer Distanz.

Janna Schnoor (*2000, D) studiert in der Klasse Malerei von Professorin Antje Majewski. Ihre Malereien basieren auf genauen Beobachtungen alltäglicher Momente und sind grob umrissen der malerischen Tradition nach dem Streben um Nachahmung von Realität verbunden. Der Weg zum Bildmotiv erfolgt klassisch über Skizzen, Zeichnungen, Studien, wobei durchaus Bildelemente von verschiedenen erlebten Situationen entnommen werden und zu einem so nie dagewesenen Ganzen komponiert werden (Hideaway, 2022).

In Malereien wie Ausgewöhnen (2021), Morgenbad (2022) und Von mir zu dir (2021) werden menschliche Beziehungen, werden Berührungen und Körperlichkeit sinnlich thematisiert. Der Partner als Objekt der Begierde und des Interesses wird in den Blick genommen und auf die Leinwand übertragen, der Betrachter zum Zeugen intimer Momente. Eine gängige Bildsprache der Kunstgeschichte – der weibliche Körper dem männlichen Blick preisgegeben – wird hier ironisch konterkariert.

Der dritte und letzte Akt bringt mit Paola Donato Castillo und Zeyang Xu zwei sehr experimentierfreudige und in ihren künstlerischen Themen sehr breit aufgestellte Künstler*innen zusammen. Für beide schafft ihre Kunst ein Werkzeug, sich aktiv Fragestellungen zu nähern, diese mit den Mitteln der Kunst zu erforschen, aufzubrechen. Beide bauen durch die Konzentration auf Details für sich selbst (und andere) Wege, sich durch eine aufgrund der medialen Informationsflut immer komplexer erscheinenden globalen Welt zu navigieren.

Paola Donato Castillo (*1993, COL) studiert an der Muthesius Kunsthochschule in der Klasse Malerei von Professorin Antje Majewski und zeichnet sich durch einen interdisziplinär wissenschaftlichen Ansatz aus, der die Limitierung auf ein Medium ausschließt. In ihren Projekten arbeitet sie multimedial mit Malerei, Zeichnung, Film, Animation, Sound, Skulptur und verwebt die einzelnen Elemente zu multisensorisch sinnlich-erfahrbaren Installationen.

Sie beschreibt sich als „Erforscherin natürlicher Prozesse“, ihre künstlerische Praxis als eine Annäherung an biologische Mechanismen – wie bei ihrem Diaspora-Projekt, bei dem sie sich intensiv mit der Fülle an Strategien von Pflanzen zur Streuung ihrer Samen auseinandersetzt und auf ihre eigene Diaspora Erfahrung überträgt.

In der Multimedia-Installation transplanta (2022) fügt sie eine Malerei, die hinter einem Fenstervorhang wie auf einer Bühne inszeniert ist, eine Skulptur einer fiktiven Pflanze sowie eine Sound-Arbeit zu einer exotischen Landschaft. Es handelt sich wie so oft in ihren Arbeiten um eine Metapher, um Science-Fiction.

Zeyang Xu (*1993, CHN) studiert in der Klasse Grafik von Professor Piotr Nathan. Seine Arbeitsweise hat etwas Manisches, Getriebenes. Sobald er ein Thema für sich entdeckt hat - sei es die Erfahrung eines japanischen Nabuki-Theaters oder der Besuch der raumgreifenden Ausstellung Space Programs: Rare Earths von Tom Sachs in den Deichtorhallen - wird dieses in einer Reihe von Malereien abgearbeitet im Versuch, sich dem Wesen einer Sache zu nähern.

Dabei experimentiert er mit unterschiedlichen Maltechniken, Materialien, Bildgrößen, Bildträgern, teilweise bis zum Verschleiß des Materials. Malerei dient ihm weder als Moment der Kontemplation noch der Nachahmung, sondern als Bewusstseinsstrom, der persönliche Eindrücke aufnimmt und mittels der Leinwand externalisiert.

Teil dieser Veranstaltung
Künstler*innenführung Ana Kostova & Leonard Gneuß 03/12 — 03/12/22 25
Künstler*innenführung Lisa Sophie Langhans & Janna Schnoor 10/12 — 10/12/22 27
Künstler*innenführung Paola Donato Castillo & Zeyang Xu 14/01 — 14/01/23 29
Finissage – What about painting?! 14/01 — 14/01/23 28
Weitere Veranstaltungen aus dem Format Materialsache:
Materialsache – What about...?! 25/11 — 14/01/23 23
Künstler*innenführung Ana Kostova & Leonard Gneuß 03/12 — 03/12/22 25
Künstler*innenführung Lisa Sophie Langhans & Janna Schnoor 10/12 — 10/12/22 27
Künstler*innenführung Paola Donato Castillo & Zeyang Xu 14/01 — 14/01/23 29
Elisabeth Wagner - minimal pompös 09/02 — 04/03/23 34
Artist Talk mit Elisabeth Wagner 18/02 — 18/02/23 35
Führung durch die Ausstellung – minimal pompös 25/02 — 25/02/23 36
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